Ein Blick zurück, ein Blick nach vorn!

Die Aktionen gegen die Nazifackelmahnwache in Pforzheim dieses Jahr sind vorbei. Wir schauen positiv auf die Aktionen zurück, unten findet ihr zwei Berichte, jeweils von der Antifaschistischen Jugend 76 Karlsruhe und vom Antifaschistischen Aktionsbündnis Stuttgart & Region (AABS).

Auch im nächsten Jahr wollen wir wieder einen starken antifaschistischen Protest gegen die Fackelmahnwache der Nazis organisieren und auf die Straße tragen. Schreibt euch den 23. Februar in den Kalender und geht auch nächstes Jahr wieder mit uns in Pforzheim auf die Straße um an den Erfolgen, die dieses und in den letzten Jahre erkämpft wurden, anzuschließen.
Ende diesen Jahres werdet ihr wieder von uns hören.

Bis dahin schließt euch antifaschistischen Strukturen an, organisiert euch und geht gegen jeden Ausdruck von Rechts vor, egal unter welchem Namen sich die Faschisten verstecken. Ob in Schulen, Betrieben oder auf der Straße.
Dem aktuellen Rechtsruck können wir nur mit einem entschlossenen & konsequenten Antifaschismus begegnen.

Bericht des AABS:
…nicht lange fackeln! Proteste gegen die Fackelmahnwache der Nazis 2018
Am 23. Februar 2018 folgten knapp 400 Menschen dem Aufruf der antifaschistischen Kampagne „… nicht lange fackeln!“ nach Pforzheim und protestierten dort gegen die alljährliche Fackelmahnwache der Faschisten. Den Startpunkt der Proteste bildete die antifaschistische Demonstration auf den Wartberg, deren Auftaktkundgebung erneut vor dem Pforzheimer Bahnhof stattfand. Dort hielten auch wir einen Redebeitrag.

Anders als noch im letzten Jahr, als die Demo vor dem Ende in Richtung Nazikundgebung ausbrach, endete sie 2018 bei der stationären Infokundgebung am Hotel Hasenmayer. Von dort aus gelang es jedoch nahezu allen Teilnehmenden auf unterschiedlichen Wegen in unmittelbare Nähe der Nazis zu gelangen. Pünktlich zum Beginn der faschistischen Veranstaltung um 19.47 Uhr setzten lautstarke Proteste und Feuerwerkseinsatz ein, die den Ablauf des faschistischen Treibens unmittelbar störten. Den Abschluss des Tages bildete eine gemeinsame, kämpferische Demonstration zurück zum Bahnhof. Erneut mussten die knapp 70 Nazis in diesem Jahr von annähernd 1000 Polizisten mit schwerem Gerät (BFE, Pferde & Hunde, Helikopter, Wasserwerfer) geschützt werden. Eine Attraktivität für andere rechte Kreise entwickelt das jährliche Treiben, u. a. durch diese Umstände, nicht. Zudem gelang es der Polizei, trotz großer Präsenz, wieder nicht den grenzüberschreitenden Charakter der Proteste zu unterbinden.

Für uns bleibt festzuhalten, dass die diesjährigen Aktivitäten rund um den 23. Februar in Pforzheim gut verlaufen sind. Demo, TeilnehmerInnenzahl, Feuerwerk und Proteste in direkter Nähe zu den Nazis wären vor zehn Jahren, in dieser Qualität unter der Woche, nicht denkbar gewesen. Es ist dem langem Atem antifaschistischer Gruppen und den überregionalen Protesten der vergangenen Jahre zu verdanken, dass auch 2018 trotz dem massiven Polizeiaufgebot selbstbestimmte und erfolgreiche antifaschistische Proteste möglich waren. Erfolgreich, weil trotz der schwierigen Umstände das faschistische Treiben direkt gestört werden konnte. Erfolgreich aber auch, weil sich die antifaschistische Bewegung die Aktionsformen und den Aktionsraum nicht von städtischen oder polizeilichen Institutionen diktieren lies, sondern selbstbewusst und offensiv die Proteste gestaltete.

Daran wollen wir anknüpfen, wenn im kommenden Jahr der 23. Februar auf einen Samstag fällt. Sicherlich gibt es aktuell Kräfte innerhalb der Rechten, die politisch wesentlich gewichtiger sind, als es die Faschisten rund um den „Freundeskreis ein Herz für Deutschland“ aus Pforzheim sind. Diese Tatsache darf aber mitnichten dazu führen, dass wir den offensiven Widerstand gegen die Nazis zu Gunsten einer Arbeit gegen die Anzugträger der AfD einstellen. Im Gegenteil. Beides sind notwendige Aspekte der Arbeit gegen den gesellschaftlichen Rechtsruck. Schließlich sind es nur allzu oft die offenen Faschisten, die die Worte der rechten Hetzer in Taten umsetzen. Der Angriff auf eine, sich im Bau befindende, Geflüchtetenunterkunft in Pforzheim, wenige Tage vor den antifaschistischen Protesten, verdeutlicht diesen Umstand nachdrücklich.

Wir werden daher auch 2019 nach Pforzheim fahren und gegen das faschistische Gedenken auf dem Wartberg Widerstand organisieren. Dabei werden wir uns von staatlichen Stellen nicht vorschreiben lassen, wie dieser Widerstand auszusehen hat. Effektiver und nachhaltiger Antifaschismus bestimmt die eigenen Mittel selbst. Es bleibt dabei: … nicht lange fackeln! Gemeinsam gegen die faschistische Kundgebung auf dem Pforzheimer Wartberg!

Bericht der Antifaschistischen Jugend 76 Karlsruhe:
Am Freitag fanden erneut die alljährlichen Proteste gegen die Fackelmahnwache des faschistischen „Freundeskreis ein Herz für Deutschland e.V.“ in Pforzheim statt. Aus Karlsruhe gab es wie die Jahre zuvor eine gut besuchte gemeinsame Anreise. Nach der Kundgebung am Pforzheimer Bahnhof mit Musik und Redebeiträgen von verschiedenen Gruppen (unter anderem dem OAT Karlsruhe), zogen mehrere hundert Antifaschist*innen in einer lauten und kämpferischen Demonstration zum Wartberg hoch, wo die Faschist*innen ihre Mahnwache abhielten. Mit Feuerwerk und anderen kreativen Aktionen wurden sie insbesondere während ihrer Gedenkminute um 19:47 Uhr massiv gestört. Den ganzen Abend über waren bis zu 450 Menschen an verschiedenen Punkten auf dem Berg und machten unmissverständlich klar, was sie von der geschichtsrevisionistischen Veranstaltung der Nazis halten.

Insgesamt waren ca. 800 Cops vor Ort, darunter auch mehrere Polizeihunde. Außerdem waren mindestens ein Wasserwerfer, Polizeihubschrauber und mehrere Flutlichtstrahler im Einsatz. Trotz dieses massiven Aufgebotes seitens der Polizei gelang es dieses Jahr, den Protest so nah an die Veranstaltung der Faschist*innen heranzutragen, wie selten zuvor. Zudem ist positiv zu bemerken, dass es keine Festnahmen auf der Seite der Gegendemonstrant*innen gab.